Juni 8, 2008

Wir erfreuen uns eines edlen Gemüts

Nach dem Spiel hat man es vorher schon geahnt. Das ist ganz normal und muss niemanden beunruhigen. Was aber wenn man sich vor dem Spiel in das Nach dem Spiel denkt und dann weiß, was man dann schon immer gewusst haben wird? 40/60 nennt der Trainer die Chancen für Österreichs Topkickerlis (Schweiz Tribut!). Die Aufstellung: 4-4-2. Warum nicht 1-4-4-2? Na gut, die 1 ist redundant, aber deshalb dennoch nicht zu vergessen! Dieses bisschen mehr Luft durch die Stimmritze, dieses Fleckchen Druckertinte könnte die Strategieangabe zur Parole wachsen lassen. 1-4-4-2! 1-4-4-2! Das verstört das entzückte Herz im gestählten Körper: Warum verlieren wir immer so marktschreierisch, schon vor dem Spiel, in jedem Kommentar, ausnahmslos mit Ironie verschmiert überall wo vom Ballkontakt berichtet wird? Wir verlieren sogar den Tormann! 1-4-4-2!

Hat sich dabei noch Niemand überlegt wie schwierig doch Verlieren ist? Richtiges Verlieren formt erstens den Charakter, und erlaubt zweitens einen würdevollen Abgang vom Feld, ohne schreiend, das Shirt über den Bauchnabel, Hände wedelnd über Plätze mit Vorstadtkunstrasen zu rennen. Das mit dem Vorstadtkunstrasen ist natürlich an den Haaren herbeigezogen, hinterlässt aber einen Hinweis auf den eigentlichen Verlierer eines jeden Spiels: den Rasen! Kontinuierliches und sicheres Verlieren auf 90 min TV-Präsenz. Würde mich nicht wundern, wenn bei einem Rutscher „Dich merk ich mir“ aus dem Boden geschrieen käme.

Völlig nebensächlich, aber zurück zum Verlieren als patriotischen Akt: Wie gesagt Charakter haben unsere Spieler bereits. Was noch? Verlieren ist christlich menschenfreundlich! Einer muss nämlich verlieren und wenn man selbst verliert kann sich der Andere freuen. Und das ist schön! Unsere heiligen, charakterstarken Jünglinge akzeptieren damit die Wahl, die keine ist als vom Trainer „optimistisch“ genannt und mit 40:60 in die „vorher“ Spalte eingetragen. Somit sind sie spirituell erleuchtet sowie mental stark. Und die Frage kann leicht beantwortet werden: was wir beim Gewinnen nicht alles verlieren würden!

Abgesehen davon bekommt das Thema Verlieren eine andere Dimension, denkt man an das sich an den Ecken des Spielfeldes befindende Aufsichtspersonal, welches mit dem Rücken zum Spielfeld die jubelnde Masse zu Gesicht bekommt. Das ist die Arschkartenposition der Sicherheitskräfte, exklusiv für zukünftig Fussballtraumatisierte. Ab und an fetzt der Spiel-Ball vorbei und man fühlt sich in die Kindheit zurückversetzt, wo das ausgehalten werden musste, wenn irgendein verzogener, verhaltensorigineller Trottel auf Sadismus-Modus umgeschalten hat und einem die Bälle zur persönlichen Erbauung am Kopf vorbei knallte. Noch übler dann die Schadenfreude vorm Gesicht, wenn Fans ohne richtigen Grund auf das Spielfeld deuten, dabei das verdrehte Aufsichtsorgan mit großen Augen anschauen und staunende Laute von sich lassen. Dieser Posten kann sich mit dem Rasen die Position im Verliererranking aushandeln.

Zum Abschluss noch eine Bemerkung zum Türkei-Portugal Spiel: Die Portugiesen zwängen sich in erstaunlich enge „Nipplegate“ Dressen, ihr Trainer schaut aus wie Gene Hackman, einer der rennt wird vom Kommentator als „kahlköpfiger Innenverteidiger“ charakterisiert und es fällt das Wort „hochverdient“.

Juni 2, 2008

Wir sind Fussball

Eine wirklich wunderbare Sache sind Fragebögen von Medien an unsere EM-Gladiatoren. Ist es Vorfreude, professionelles Verhalten oder Routine, wenn auf die Frage, was am Abend vor dem Spiel so getrieben wird die Antwort folgt: „Ich geh früh schlafen“. Wo ist das Gebet, der unerlaubte Sex, die Niederlagen-Prophylaxe, das Gewinner-Attitüden-Training, das Küssen der Kinder, das Rekapitulieren der bisherigen Karriere, die Frage nach der Sinnhaftigkeit für eine Flagge zu spielen, die Furcht vor dem Volkszorn, das Wiegen im sicheren Gefühl des Gewinnens, der Tagtraum des Erfolges, das Polieren des Talismanes, der rituelle Musikgenuss, oder einfach nur das Anstupsen des Ball-Mobiles oberhalb des Bettes? Schlafen kann jeder! Zugegeben auch Helden.

Viel, viel, viel besser erklingen hier die Antworten zur Frage, was man gerne wäre, hätte einen der Fussballgott nicht geholt. Bei der Durchsicht von nur zwei Antworten wird die Tendenz klar: Ein Beautystudio könnte man errichten! Frisör der Eine, Modedesigner der Andere. Und da sage noch Jemand diese Berufssparte wäre ansonsten überlebensunfähig. Ich protestiere … und fluche!

Das Schöne am Fussball ist, dass es nicht um’s Geld geht. „Fussball findet da statt, wo das Leben nicht so einfach ist. Wo man nicht auf Rosenblättern herumläuft.“ (Fredi Bobic im Kurier). Der Sozialverein FIFA bekräftigt das und die Wiener Fan-Zone führt unterstützenderweise eine neue Bierpreisdimension ein: 4,50 €, das Soda 3 €. Alles für den edlen Zweck. Ausserdem, die letzen EM-Gewinner: Griechenland, Frankreich, Deutschland, Dänemark, Niederlande. Slums!
Und: Teamchef Hickersberger: „Die EURO ist ein Geschenk, das man annehmen muss.“ Damit sei der Polemik die Luft genommen!

Zum Abschluss noch ein Hinweis: Viele schöne, junge Menschen haben sich dem Spektakel mit einem musikalischen Beitrag angenommen. Enrique Iglesias, Christina Stürmer und weit aus Bekanntere. Hier ein Beitrag von der Band Fussball mit dem Song Fussball und einem Text, den man sich auch nach dem fünften 4,50 € Bier noch vergegenwärtigen kann. hier -> FUSSBALL – Laut Angabe der Protagonisten eignet sich das musikalische Derivat besonders zum Anheizen und zur Vorbereitung auf das Spiel bzw. während der Pause. Bei „Fussball“ weiss auch jeder um was es geht. Sage noch jemand Deutschgesang sei Zielgruppeninkompatibel.

Mai 31, 2008

Wir sind anders

Eigenartigerweise beunruhigt die Beflaggung eines Fahrzeuges mehr als der Fahnenschwenk-Solist. Wenn ein Ding schon derart gerne als Prestigeobjekt fungiert und das Auto oft mehr zu melden hat als die gute Partnerin/Partner, dann könnten etwaige Konflikte mit dem Selbstbewußtsein des Besitzers gerne vom Auto auf die Fahne hüpfen. Aber gottseidank haben wir Österreicher solche Probleme recht selten. Wir Europäer hingegen erklären die EM aus Sicherheitsperspektive gerne zur „Bewährungsprobe für ganz Europa“ (Günther Platter). Falls was passiert: Der Europäer war’s! Europa hat versagt! Um zu verdeutlichen, dass wir hier genau arbeiten, werden die Grenzen wieder zugemacht, Menschen mit schwerem Geschütz fängt man so ab, und der ehemalige Osten kann auch geographisch wieder leichter verortet werden. Hinzu kommt die Gelegenheit vor der Grenze (gibt es überhaupt noch qualifiziertes Grenzpersonal – oder holt man die aus der Pensionslethargie, wo sie ihre Enkel beim Eisenbahnspielen mit Kontrollen malträtieren?) noch richtig Dampf abzulassen. Vom All aus erkennbar: Österreich strahlt. 40.000 Tonnen mehr CO2. Was macht man nicht alles für das schicke Sein.

Irgendwie rückt der spielverderberische Gedanke in das Blickfeld des Möglichen, dass Menschen, die nicht zuhause bei ihren Freunden oder der Familie feiern und fiebern wollen, in das Austragungsland der Spiele humpeln, um dort saufend zu gröhlen und dabei verfressen furzen bis ihnen das CO2 der eigenen Karre das Gemüt mehr schädigt als die unzähligen zufälligen Ball-Kopf Kontakte von in der Fan-Zone Klassiker nachspielende Profi-Trainspielrichter.

Zielgruppengerecht eröffnet man die Fan-Zone mit Konzerten der Wiener Sängerknaben und den Symphonikern selbiger Herkunft. Wenn Tante Resi, bewaffnet mit Fan-Schal, Fan-Shirt, Fan-Fahne, Fan-Fan (der Enkel) nach Zerstörung schreit wird vorher mit Knabengesang beruhigt. Gute Idee. Andererseits existiert die Theorie, der Sinn für das Maß werde durch solch singende Kinder mit Altherrenbegleitung betäubt.
Apropros Kinder und Fan Zone: Hier gibt es auch Interessantes an Fortbildungsalternativen zu berichten. So können die Kinderlein, singende wie nicht singende, bei Ballübungen trainieren, um später auch mal in einem nicht Ösi-Club spielen zu dürfen und dabei ordentlich Weiber und Männer beeindrucken. Gelingt das nicht, werden hier ebenso Lösungsstrategien vorgeschlagen: Auch an der Kletterwand darf man sich versuchen. Bei der Flucht aus dem Stadion lebensrettend.

Mit Trainings-Methode-Experimenten versucht’s auch die Kirche, das PR Monster schlechthin: „kick ‘ n ‘ pray“ heißt der Versuch mittels Psalmen und repetierendes In-Trance-Beten die Kugel zu betören oder einfach nur dem Gegner, dem gegnerischer Bruder, dem Bruder der anderen Seite in der Dreifaltigkeit von Ball, Tor und Spieler die Aggression zu nehmen. Und: das kennen wir doch alle: „Lieber Gott, nur dieses eine Mal, lass mich durchkommen damit.“ Das führt geradewegs zum Reinhard Fendrich. Der strahlt an spielfreien Tagen von der fadisierten Leinwand im Wiener Prater. Warum lassen sie den eigentlich nie mitspielen? Der ist doch auch Österreicher! Aber was sagt die Trikotfarbe schon über einen Menschen aus.

Mai 24, 2008

Wir sind high und trainieren wenig

Neulich erfahre ich aus den Medien, was der Fan mit Stadionticket alles nicht darf. Die meisten der Verbote sind wohl in Ausschüssen und Symposien beschlossen worden, beruhen auf die Erkenntnisse von Feldexperimenten und wertvollen, historischen Überlieferungen. Da glaubt man dann auch an die Gefahr des Pappbechers, aber was etwas unrund stimmt: der TETRA-PACK darf nicht mit in’s Stadion. Angesichts der Möglichkeit mit einem Flyer eine Bierflasche zu öffnen – wie letztens stolz von meiner Freundin verblüfft – ist das Gefahrenpotential tatsächlich zum Greifen realistisch. Niemand will die Schlagzeile hören müssen: „Spiel wegen Tetrapack unterbrochen!“, oder den Stadionwart weinend im ORF Interview sehen: „Dafür ist dieses Stadion einfach nicht gebaut!“
Außerdem: Presst man kleine Fruchtsaftpackungen (Achtung leer sollten sie sein) ruckartig zusammen, knallt’s, und man kommt womöglich unzweifelhaft in Terrorverdacht. Zwei Worte hierzu: „Cobra“ und „erschrecken“.

Auch an die jungen Computerspiel-Nerds wird gedacht, wenn Josef Hickersberger erwähnt, der Trend gehe Richtung „Live high, train low“. Dieser meint damit zwar den neuen Hypoxie-Laster zur Regeneration der Spieler auf 2500 m bei 400 m Seehöhe (das könnte dem Felix Mitterer gefallen, dreht er doch gerade an der Russen-Saga), aber es ist anzunehmen, dass der Dopinghund daran elegant vorbeischwänzelt. Praktisch, liefert diese Kammer nebenbei auch glaubwürdige Entschuldigungen: „Es war also doch ZU WENIG Sauerstoff …“ Oder: „Wir waren auf die geographischen und klimatischen Gegebenheiten falsch vorbereitet“.

Dezember 5, 2007

Wir müssen kämpfen!

Ein Schlachtfeld. Wer hätte das gedacht. Und wer hat uns das eingebrockt? Unsere “Gäste” aus Europa. Schaun wir ins besinnliche Salzburg: Grüne Musterkühe und besonnen schüchternes Alpenvolk mit freiem Blick auf die Adria. Die Presse berichtet von der Front: “Seit feststeht, dass Polen und Kroatien in Kärnten gastieren, haben sie [die Vorbereitungen, Anm.] eine neue Dimension bekommen: ‘Wir haben auf Stufe Rot geschaltet’”. – (“Franz gea ummi, schraub’s roate Lampl eini.”)

In der “neuen Dimension” spielt es sich ab: mehr Sanitäter, Notärzte, Einsatzfahrzeuge sowie einem Lazarettchen in der Tennishalle. “Ärzte und Sanitäter entscheiden, in welches Krankenhaus Verletzte und Kranke gebracht werden.” Für welchen Ernstfall wird hier geübt? Anyway … Ausländische Exekutive wird für Ruhe sorgen. Ganz gewiss.
Und gerade den Polen, zusammen mit den Kroaten die Verursacher dieses militanten Szenarios, wünsch ich einen Bombenerfolg, denn ihrem Ruf nach fällt dieser Sport unter die Genfer Konventionen. Ausschreitungen und Korruption, Honigvodka! Deshalb will man – so liest man – die Alpen-EM zur Imagekorrektur verwenden um 2012 im eigenen Land selbst den Finger erheben zu dürfen. Collateral Damage.

Schön ist, dass Optimismus durch die Winter-Blätter weht: Oliver Bierhoff (Deutscher Fussballmanager – da drängt sich auf: “Frisches Gras in der Kabine! Trittkraftreduktion ab Minute 60! Keine Entsorgung als Völkerball! etc… blabla) – also dieser: “Österreich hat Probleme, aber den Heimvorteil.” Oder unser Andreas Herzog mit Vision: “Wir müssen auch in Zukunft Erfolge feiern.” – mit Anspielung auf was …? Die Zukunft dauert schon recht lange. Das leuchtet auch dem Herrn Gusenbauer ein, der Klartext spricht: “So haben wir uns die Gruppe nicht gewünscht [..].” Frechheit, dass der Bundeskanzler derart übergangen wird. Gibt’s denn hier überhaupt keine Autoritäten mehr? Aber letztendlich findet er die beruhigenden Worte, nachdem diese Nation lechzt: “Die Chance lebt.” Danke! “Angesichts der Gruppe C sind wir noch gut davongekommen.” Uff… Schön österreichisch: Die Situation ist nicht besser, sondern das Übel kleiner.

Und überhaupt Gruppe C: “Die Todesgruppe”, “Die elendigen Vier”, “Das Monster Quartett”, “Das quadratische Verderben”, “Die vier Kanibalen” – oder romantischer “Die 4 im gegenseitiges Verzehren”, und ganz brutal: “Die EM”.

Dezember 3, 2007

Wir sind zu beneiden!

Wunschlisten als Alternativen anzudenken ist bei entsprechenden Erfolgschancen durchaus legitim. Toni Pfeffer, ORF-Fussball Experte und selbst ehemaliger Balljäger geht einen Schritt weiter und führt eine Parallel-EM. Im ORF Interview spricht er über „seine“ [blemblem ...] EM mit Österreich, Portugal, Schweden und Polen in einer Gruppe: „Die Portugiesen hätte ich als Gruppensieger eingestuft. Dann würden wir im Kampf mit Schweden und Polen drüberstehen und aufsteigen.“ Gute Idee! Let’s do it! Überhaupt ein Mensch mit Kreativität, PLÄDIERT er doch für „schlagbare Gegner“. Ob er diese Rücksichtsnahme bei der UEFA auch eingebracht hat? Gruppe E: vier österreichische Teams!

Apropros Team: Ein Bekannter von mir (Akrobaten-Max) hat eine wirkliche Wir-als-Team-Alternative erarbeitet: In den Pausen huscht unterhaltsam ein Schweinwerfer (Spot) über die Zuschauermenge und verharrt per Zufallsprinzip bei einer Person. Diese wird auf das Feld gerufen und angehalten ein Glücksrad zu bedienen, das die Spielerposition verrät und preisgibt welches Match zu spielen ist. Es werden noch kurz Daten aufgenommen: Schuh- wie Dress-Größe etc., und schon bildet sich UNSER österreichisches Gastgeberteam. Klingt bestechend!: „Du spielst im Sturm, drittes Spiel, erste Halbzeit!“

Das Spielgeld kommt dem Nachwuchs zugute. 7.5 Mio. als Startgeld – wenn das nicht schon ein kleiner Sieg ist! Und dann das Geld, das man noch nicht ausgeben sollte: Jeder Sieg 1 Mio., Unentschieden 0.5 Mio. Den Viertelfinalisten gibt man 2 Mio., wer im Halbfinale spielt bekommt 3 Mio. Und so gehts weiter: Im Finale verliert man nicht schlecht mit 4.5 Mio. und als Europameister gibts 7.5 Millionen Euro.  Insgesamt gibt es also höchstens 24 Mio. (?) für’s Portemonaie. Da lohnt es sich fast nicht das frisch designte Köpfchen hinzuhalten. Obwohl unter dem Artikel mit dieser Information schadenfroh die Anzeige einer Bank platziert ist: „50 € Startguthaben!“. Uff … Richtig gewettet (Österreich auf Sieg!) spielen diese Summen aber keine Rolle mehr.

Doch wir sind zu beneiden! Denn wie wo anders zu lesen ist: „Als „Todesgruppe“ kann man dagegen die Gruppe C bezeichnen – Niederlande, Italien, Rumänien und Frankreich“ Mal abwarten was die Todesgruppe so anstellt. Randalieren sich in’s Finale. Alle 4.

Dezember 2, 2007

Wir haben gewonnen!

Jetzt also ist es Realität. Wir haben Gegner! Kroatien, Polen uuuunnnd: Deutschland! Die Kroaten haben uns schon am Spielplatz schikaniert, Polen kennt ab Linz kein Mensch und bei Deutschland hilft nur foulen. Oder faulen.

Österreich ist der große Aussenseiter heisst es. Aber warum groß? Wie ein großer Bruder? Selbständig aber doch noch am Rockzipfel, gar Lieblingskind? Wer ist dann der kleine? Die Linienrichter? Dann hört man noch den Satz: „Es gibt Schlimmeres als Außenseiter zu sein.“ – ? – Gottseidank musste sich unser Team nicht qualifizieren soll das wohl heißen.

Anyway … eigentliches Thema ist Cordoba. Ich verfluche das Jahr 78! Wir gewinnen, und seit dem kämpfen wir mit einer Vision: Irgendein Sieg, wieder, irgendwann! Angefixt seit 30 Jahren.

Außerdem wird hier gezielt das „Wir“ gepflegt, weil hier geht’s eindeutig um mehr. Die positive Grundeinstellung des österreichischen Trainers Hickersberger ist vorbildlich gelungen: „Für mich bringt diese Gruppe einen großen Vorteil, da kann ich mich mit allen Trainerkollegen auf Deutsch unterhalten, das macht die Pressekonferenzen einfacher.“ Ha! Da sage noch mal jemand: Dabeisein ist alles.

Und gleich gehts mit umfangreichen Idealen weiter. Die Schwerpunktsetzung muss ein Mensch aus dem Feuilleton, wie’s der gemeine Fussballfan so ist, imposant finden: „Es wird schwierig, gegen Gegner von solcher Qualität zu spielen, besonders wenn man nicht nur gut aussehen, sondern auch punkten will.“ Die Österreicher sind schon 2 Stunden früher am Platz: Make up, Sonnenstudio, Frisurenschwenk.
Um das Wort Punkte aus dem Wortschatz kramen zu können empfehle ich ein eigenes Wertungssystem: pro 5 kmh Laufgeschwindigkeit 1 Punkt. Grimassen am Stadionscreen 1 Punkt. Spektakuläres Fallen 1/2 Punkt. Leiberltausch während des Spiels 1 Punkt. „Daltons“ Formation 2 Punkte.

Auch die Zeitungsfrage: „Werden Sie daher noch etwas experimentieren?“ soll hier von selbst beantwortet werden: „Natürlich!“ Nachsatz: „Beim ersten Anklang von Anton Karas alle rein ins Tor!“ Oder, eine Taktik aus der Konfrontation mit viel wilderen Gegnern: „Auf den Boden legen und Ruhe!“

ps: Das Punktesystem darf ergänzt werden. Ich bitte darum.